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ARBEITSZEUGNIS: ERLÄUTERUNGEN

Arbeitszeugnis erklärt – worauf Arbeitnehmer Anspruch haben

von | Mrz 29, 2013 | 0 Kommentare

Aus welchen Gründen auch immer ein Arbeitsverhältnis ein Ende findet – in jedem Fall steht Ihnen als Arbeitnehmer ein Arbeitszeugnis zu, das wohlwollend ist. Das heißt nicht, dass Sie sich während Ihres Arbeitsverhältnisses alles erlauben dürfen, denn ein Arbeitszeugnis muss immer wahr sein. Jedoch darf Ihr ehemaliger Arbeitgeber Sie auch bei Unzufriedenheit über Ihre Arbeitsleistung nicht offen kritisieren. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass sich einige Formulierungen beim Verfassen von Arbeitszeugnissen etabliert haben, die positiv klingen, dem Arbeitnehmer in Wirklichkeit jedoch keinesfalls gute Eigenschaften oder Leistungen bescheinigen. Ein Arbeitszeugnis sollte daher nicht nur auf seine Vollständigkeit und Richtigkeit, sondern auch immer auf seine Formulierungen geprüft werden.

Typische Formulierungen und ihre Bedeutung

Es gibt einige Formulierungen, die mittlerweile einer Beurteilung entsprechen, die klar einer bestimmten Schulnote zugewiesen werden können. Wer in seinem Arbeitszeugnis die Formulierung „stets zu unserer vollsten/größten/äußersten Zufriedenheit“ findet, kann sich glücklich schätzen, denn ihm bescheinigt sein Arbeitgeber ein Zeugnis mit der Note 1. Und auch die Formulierung „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ oder „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ ist ein äußerst positives Feedback über die geleistete Arbeit, denn sie entspricht einem Zeugnis mit der Gesamtnote 1 bis 2. Nicht ganz so gut aber immer noch eine befriedigende Note stellt die Formulierung „zu unserer vollen Zufriedenheit“ oder „stets zu unserer Zufriedenheit“ dar. Ein Arbeitszeugnis mit den Formulierungen „zu unserer Zufriedenheit“ oder „insgesamt/im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ jedoch sind keinesfalls so gut gemeint wie sie klingen, sondern bescheinigen ein Arbeitszeugnis mit der Note 4 bzw. 5. Da diese Codes mittlerweile weitestgehend bekannt sind, sind sich viele Experten einig darüber, dass sie an Bedeutung verloren haben und sich keinesfalls auf sie versteift werden darf. Manche sind sogar davon überzeugt, dass es überhaupt keine Codes in Arbeitszeugnissen mehr gibt. Tatsächlich sind individuelle Formulierungen, die Hinweise auf die inhaltlichen Aufgaben und die erfolgreiche Ausführung der zugetragenen Aufgaben geben, heute sehr viel interessanter für neue Arbeitgeber und spielen daher eine sehr viel größere Rolle als die mittlerweile als Standard geltenden Formulierungen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte dennoch auf die Änderung mancher Formulierungen bestehen. Keinesfalls dürfen Arbeitszeugnisse jedoch eigenhändig verändert werden, denn diese sind eine Urkunde. Wer dennoch eigenmächtige Veränderungen am Arbeitszeugnis vornimmt, macht sich der Urkundenfälschung schuldig und riskiert bei Bekanntwerden neben einer fristlosen Kündigung auch schwerwiegende rechtliche Konsequenzen.

Wie gut ist wohlwollend in Ihrem Arbeitszeugnis?

Mit eigenen Veränderungen ein Risiko einzugehen ist nicht nur wegen der drohenden Strafe unnötig, sondern auch wegen des geltenden Arbeitsrechts. Denn laut diesem müssen Arbeitszeugnisse heute mindestens gut sein. Möchte ein Arbeitgeber ein schlechteres Zeugnis ausstellen, muss er dieses begründen. Versteckte Hinweise und Formulierungen, die einen schlechten Eindruck hinterlassen, sind unzulässig. So muss ein Arbeitgeber auch darauf verzichten, Selbstverständliches zu betonen, da Selbstverständlichkeiten den Eindruck erwecken, dass sonst nichts Positives über den Arbeitnehmer zu berichten ist. Sollten solche Formulierungen im Arbeitszeugnis vorkommen, kann der Arbeitgeber um eine Änderung gebeten werden, die notfalls auch eingeklagt werden kann. Informationen zu Ausfallzeiten wie Elternzeit oder langer Krankheit hingegen sind zulässig.

Was sonst noch zu beachten ist

Neben wohlwollenden Formulierungen ohne verstecke Negativaussagen, gibt es weitere Ansprüche, die ein Arbeitnehmer an ein Arbeitszeugnis stellen darf und auf die er es nach Erhalt prüfen sollte. Dazu gehört zum einen wie bereits erwähnt, dass der Arbeitnehmer einen Anspruch auf individuelle Formulierungen hat statt der Aneinanderreihung der für Arbeitszeugnisse typischen Phrasen. Darüber hinaus muss das Arbeitszeugnis dem Arbeitnehmer schriftlich als sauberer, knitterfreier und vom Arbeitgeber unterschriebener Ausdruck übergeben werden. Ferner muss das Arbeitszeugnis das aktuelle Datum und die korrekten Personalien des Arbeitnehmers enthalten. Auch der Tätigkeitszeitraum sowie die jeweiligen Tätigkeitsbereiche müssen auf dem Arbeitszeugnis vermerkt sein. Bei Führungskräften sollte außerdem eine Beschreibung der Position und der Aufgabenbereiche im Arbeitszeugnis zu finden sein. Zusätzlich muss die Leistungssteigerung aus dem Arbeitszeugnis hervorgehen. Urlaub und krankheitsbedingte Fehlzeiten hingegen sind nicht auf dem Arbeitszeugnis anzugeben, genauso wie der Grund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, es sei denn der Arbeitnehmer hat dieser Angabe ausdrücklich zugestimmt. Früher galt außerdem die Grußformel am Ende eines Arbeitszeugnisses ebenfalls als ein deutlicher Hinweis auf die Gesamtbeurteilung des Arbeitnehmers. Nichts Gutes hieß eine kurze neutrale oder sogar gar keine Grußformel unter dem Zeugnis. Mittlerweile ist dies anders, denn das Bundesarbeitsgericht entschied, dass eine Dankesformel kein notwendiger Teil des Arbeitszeugnisses ist, da dieses nur reine Aussage über die Leistung und das Verhalten einer Person am Arbeitsplatz machen muss.

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