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DIGITALISIERUNG DER ARBEITSWELT

Digitalisierung der Arbeitswelt – Chancen und Risiken für Beschäftigte

26. Aug 2019

Dass sich die Arbeitswelt mehr und mehr digitalisiert und digitale Arbeitsformen und –mittel sich am Arbeitsplatz bezüglich der Verbreitung und Nutzung zunehmend etablieren, ist erst einmal nichts Neues. Trotzdem scheint es den Eindruck hervorzurufen, dass sich daraus ergebende Chancen und besonders Risiken durch flächendeckende Digitalisierung der Arbeitswelt auf Seiten von Beschäftigten, Führungskräften und betrieblichen Arbeitsschutzakteuren für die Zukunft weitgehend unbestimmt und unreguliert sind.

 

Dieser Artikel soll einen Überblick darüber geben, welche teilweise neuen Arbeitsmittel und –formen unser Arbeits- und Privatleben durch Digitalisierung bestimmen und inwieweit sich digital-induzierte Arbeitsbedingungen regulieren und gesund anwenden lassen. Der Artikel soll zudem aufzeigen, welche digitalen Technologien sich auf Seiten der Beschäftigten in Themen Gesundheit und Arbeitszufriedenheit – und somit ebenfalls für die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeitenden und die Produktivität von Unternehmen – für förderlich erweisen.

Industrial engineer manager using tablet for automation robot arms

Bildquelle: AdobeStock_208731473 von ipopba

Neue Arbeitsmittel

Mit digitalen Arbeitsmitteln sind digitale Technologien bzw. Tools wie Soft- und Hardwareprodukte gemeint, die im Arbeitsalltag genutzt werden und verbreitet sind. Digitale Technologien ermöglichen es, Arbeitsprozesse in einer Schnelligkeit durchlaufen zu lassen, wie es nie zuvor der Fall war. Kommunikation und Vernetzung werden zügiger und bedeutsame Zeit wird eingespart. Dies hat allerdings die Kehrseite, dass dadurch die Arbeit intensiviert wird, da pro Tag mehr Tätigkeitspensum abgearbeitet und entsprechend auch die Multitasking-Anforderung gelebt wird. Jedoch können clevere Tools auch bisherige Routinetätigkeiten von Beschäftigten übernehmen und damit die Chance einräumen, sich anderen, strategischen Aufgaben zu widmen. Automatisch laufende Systeme können Arbeitserleichterung schaffen und im Bereich der Industrie zudem zur körperlichen Entlastung beitragen, was dem Beschäftigten ebenfalls zu Gute kommt. Trotz dieser hilfreichen, digitalen Tools darf nicht vergessen werden, dass die korrekte Nutzung gewährleistet wird: Ist eine digitale Technologie für einen Beschäftigten zu komplex, kann das zu Verunsicherung führen und digital-induzierten Stress auslösen (Exkurs: Digitaler Stress). Da im Arbeitsleben im Schnitt ca. 40 verschiedene digitale Arbeitsmittel (Hard- sowie Software) zur Anwendung kommen, kann zudem eine Überflutung diesen Stress noch begünstigen. Eine weitere Gefahr bergen mobile Endgeräte, mit denen es Vorgesetzten möglich ist -auch nach vereinbarter Arbeitszeit- Arbeitsanweisungen zu kommunizieren und den Beschäftigten damit das Gefühl ständiger Erreichbarkeit zu geben. Online und mobil erreichbar zu sein, kann aber auch seine Vorteile haben: Aktuell gibt es um den Topos „digitale Weiterbildung“ einen riesigen Boom, der bedeutenden Einfluss auf die Bildungswege und Qualifikationen von weltweiten Beschäftigten hat. Eher negativ konnotiert ist wiederum „Big Data“ aufgrund der Speicherung von Massendaten wie Arbeitsschritten etc., die Leistungskontrollen auf Seiten der Führungsebene möglich machen. Nichtsdestotrotz ist es für Unternehmen unabdingbar, einen hohen Digitalisierungsgrad aufzuweisen, um am (inter-)nationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben bzw. zu werden.

Abbildung 1: Positive und negative Auswirkungen digitaler Arbeitsmittel bzw. Technologien

positive Auswirkung

negative Auswirkung

Schnellere Prozesse, Kommunikationen,
Vernetzung etc.

Intensivierung der Arbeit

  • Mehr Tätigkeiten in gleicher Zeit zu leisten, Multitasking-Anforderungen, erhöhtes Informationstempo

Wegfall anspruchsloser Routinetätigkeiten

Crowd Working

  • Soziale Sicherung und Verantwortlichkeit ungewiss

Arbeitserleichterung durch automatische Systeme

Körperliche Entlastung durch Roboter usw.

Verunsicherung, Unzuverlässigkeit, Überflutung von Technologien, Komplexität

  • Digitaler Stress

Papierloses Büro

Omnipräsenz und ständige Erreichbarkeit

  • Keine Ruhepausen
  • Arbeitsanweisung über mobile Endgeräte
  • „Verfügbarkeitskultur“

Digitale (online) Weiterbildung

Big Data

  • Leistungskontrollen möglich, Arbeitsüberwachung

Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen

Neue Arbeitsformen

Aus (neuen), digitalen Technologien resümieren angepasste Arbeitsformen: Durch mobile Endgeräte wie Wearables, Laptops, Tablets und Smartphones wird Arbeiten zunehmend auch örtlich flexibel und damit weitestgehend ortsunabhängig. Mobiles Arbeiten bereits von unterwegs zur Arbeit, auf Geschäftsreisen im Zug oder mit dem spezifischen Equipment direkt von zu Hause. Ersteres scheint vermutlich eher für den Arbeitgeber von Interesse, während Home-Office besonders für Beschäftigte eine Reihe von Vorteilen birgt. Gerade jemand, der jeden einzelnen Morgen und nach Feierabend einen langen Arbeitsweg vor sich hat, wird dankbar sein, den Pendelweg zeitlich einsparen zu können. Dies hat aber auch auf höherer Ebene positive Konsequenzen, wenn man an die Umwelt oder die überfüllten und verkehrsreichen Straßen denkt. Die gewonnene Pendelzeit kann in die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf investiert werden, was nicht zu unterschätzen ist, wenn man bedenkt, dass man wöchentlich bei einer Fahrzeit von einer Stunde pro Arbeitsweg gute 10 Stunden gewinnt. Die gewisse Zeitsouveränität trägt ferner dazu bei, den Beschäftigten mehr Selbstbestimmung zu gewähren, was wiederum die Arbeitsmotivation stärken kann. Schwierig ist hier allerdings die Kontrolle der geleisteten Arbeitszeit und die Einhaltung gesetzlicher Höchstarbeitszeit, die nicht ohne Weiteres überwacht werden kann. Dies kann sich noch verstärken, wenn man im Privatleben die Zeit dafür investiert bzw. investieren muss, den Umgang mit digitalen Technologien zu erlernen, um den Arbeitsanforderungen gerecht zu werden. Zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten kann also durchaus für mehr Freiheit und Autonomie sorgen, birgt aber auch die Gefahr der Überlastung durch ein Nicht-Beachten der Höchstarbeitszeit.

 

Abbildung 2: Positive und negative Auswirkungen digitaler Arbeitsformen

positive Auswirkung

negative Auswirkung

Ortsunabhängiges Arbeiten

1) Home-Office

  • Einsparung von Pendelwegen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Zeitsouveränität

1) und 2) → 

  • Weniger Kontrolle der geleisteten Arbeitszeit, Gefahr der verlängerten Wochenarbeitszeit

2) Mobile Work

  • Effektive Zeitnutzung, Flexibilität
  • Hohe Arbeitszufriedenheit
 

Zeitunabhängiges Arbeiten

  • Neue Freiheiten
  • Mehr Autonomie und Selbstbestimmung

Lebenslanges Lernen

  • Beständige Anpassung und Ausbau der eigenen Fähigkeiten
  • Eigenständige Einschätzung des Nachholbedarfs

Exkurs: Digitaler Stress

Die Gesundheitsthematik wird in Bezug auf digitale Einflüsse oft vernachlässigt oder ignoriert. Dabei ist digitaler Stress heutzutage eines der maßgeblichsten Ursachen für Krankheitsausfälle und die allgemeine Erkrankungswahrscheinlichkeit. Digitalen Stress darf man jedoch nicht als Stress ansehen, der einzig und allein aus der bloßen Existenz digitaler Technologien am Arbeitsplatz resultiert, sondern aus dem Ungleichgewicht zwischen individuellen Fähigkeiten und äußeren (digitalen) Anforderungen, mit denen man nur unzureichend in einer gesunden Art und Weise umgehen kann. Ein hoher Digitalisierungsgrad am Arbeitsplatz verursacht demnach nicht unmittelbar bei jedem Arbeitnehmer digitalen Stress, sodass nicht von einem Technikdeterminismus ausgegangen werden kann.

Ferner hat digitaler Stress viele verschiedene Gründe: Wie eine Studie 2018 von Gimpel et al. ergeben hat, sind es besonders die Verunsicherung bezüglich digitaler Technologien, die Unzuverlässigkeit dieser sowie die Überflutung und Komplexität vieler, nebeneinander laufender Technologien, die als Auslöser genannt werden können. Hier ist es von Bedeutung anzusetzen und dem Beschäftigten hinsichtlich individueller Stressindikatoren unter die Arme zu greifen. Anhand von regelmäßigen, mitarbeitereinbindenden Meetings werden Indikatoren ermittelt und Verunsicherungen beseitigt. Bei der Unzuverlässigkeit von Systemen ohne Ausweichmöglichkeiten bietet sich die Bereitstellung eines technischen Supports an. Da ein höherer Kompetenzlevel digitalen Stress verringert, sollte auch hier investiert werden. Wird digitaler Stress bei Arbeitnehmern verhindert, bedeutet dies gleichzeitig Vorteile für den Arbeitgeber, da effizienter gearbeitet, eine Erkrankung präventiv verhindert sowie die Arbeitsfähigkeit gesichert wird.

Es zeigt sich demnach, dass Risiken für Beschäftigte sich nur bzw. vor allem dann auftun, wenn digitale Arbeitsformen und –mittel nicht weitgehend reguliert werden. Unverbindliche, mündliche Absprachen, wie beispielsweise das Arbeitshandy nicht mit nach Hause zu nehmen, reichen an dieser Stelle nicht aus. Ein erster Schritt wäre, neue Methoden von Gefährdungsbeurteilungen entsprechend der neuen Herausforderungen zu gestalten und anzuwenden, um individuelle Risiken frühzeitig zu erkennen und betrieblich passende Lösungen anzubieten. Ansonsten lautet die Devise – besonders für Management und betriebliche Arbeitsschutzakteure – förderliche digitale Arbeitsmittel und –formen ruhig zuzulassen, auszubauen und automatisch für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit Verbesserungen zu konstatieren.

Betriebliche Akteure können zudem digitalem Stress und möglichen gesundheitlichen Belastungen -die mit der Digitalisierung einhergehen- entgegenwirken, wenn sie über eine hohe Arbeitsgestaltungskompetenz verfügen, welche einen günstigen Effekt auf die Ressourcensituation von Beschäftigten bewirkt. Das bedeutet, dass betriebliche Akteure gesundheitswidrige Systemzustände erkennen und durch individuelle Handlungen Ressourcen mobilisieren sollten, um die Gesundheit sowie die Beschäftigungsfähigkeit aller Mitarbeiter herzustellen. Dazu muss zuvor eine angepasste Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden, um potentielle Probleme zunächst ermitteln zu können. Dann kann auf individuelle Schwierigkeiten reagiert werden: Eine Weiterbildung aufgrund des zu geringen digitalen Kompetenzniveaus, die Bereitstellung eines technischen Supports oder spezifische Betriebsvereinbarungen. Wichtig ist hinsichtlich des Spektrums unterschiedlichster Problematiken der Beschäftigten insofern die Einbindung der Mitarbeiter, um den optimalen Weg der Nutzung digitaler Technologien und Arbeitsformen zu gewährleisten.

 

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