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KOSTENFALLE JOBSUCHE?

Kostenfalle Jobsuche? Nicht, wenn du die Bewerbungskosten clever absetzt

31. Aug 2018 |

Wer auf Jobsuche ist, kennt das Problem: Trotz guter Vorbereitung und passenden Stellen flattern einem eine Reihe von Absagen ins Haus. Nur die wenigsten haben das Glück, mit den ersten Bewerbungen einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Selbst für hochqualifizierte Fachkräfte ist es nicht leicht, in kurzer Zeit eine neue Stelle zu finden – außer sie werden abgeworben. Die Kosten für die Stellensuche können dabei schnell eine nicht zu vernachlässigende Höhe erreichen, doch glücklicherweise darf man Bewerbungskosten von der Steuer absetzen.

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Bild: Für eine ordentliche Bewerbung benötigt man nicht nur Zeit, sondern auch Geld, um die nötigen Unterlagen zusammenzutragen und werbewirksam darzustellen. Bildquelle: Petr Vaclavek – 691695994 / Shutterstock.com

Was sind Werbungskosten?

Als Werbungskosten gelten alle Kosten im Zusammenhang mit der Erwerbung, der Sicherung oder der Erhaltung von Einnahmen. Das bedeutet, dass die Ausgaben, die einem Arbeitnehmer im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit entstehen, Werbungskosten sind. Diese Ausgaben kann man bei der Steuererklärung vom Einkommen abziehen, um die zu versteuernden Einkünfte zu berechnen.

Zur Vereinfachung wird bei den meisten Steuerzahlern ein Werbungskostenpauschbetrag in Höhe von 1.000 € abgezogen. Wer höhere Werbungskosten hat, sollte daher unbedingt die nötigen Nachweise in Form von Quittungen und Rechnungen zusammentragen und die entsprechenden Ausgaben bei der Steuererklärung geltend machen. Zu den Werbungskosten zählen beispielsweise:

  • Arbeitsmittel, Werkzeug
  • Arbeitszimmer
  • Berufskleidung
  • Fort- und Weiterbildungen
  • Fahrten zur Arbeit
  • Dienstreisen
  • Umzugskosten beim Stellenwechsel
  • Gewerkschaftsbeiträge
  • Zweitwohnung fĂĽr die Arbeit
  • Bewerbungskosten

Bewerbungskosten gehören zu den absetzbaren Werbungskosten

Die Kosten, die mit einer Bewerbung einhergehen, dienen dem Antritt einer neuen Stelle und deshalb auch dem Erhalt und der Sicherung von Einnahmen. Daher ist es naheliegend, dass auch die Bewerbungskosten zur Gruppe der absetzbaren Werbungskosten zählen. Ausgaben, die in diesem Zusammenhang entstehen, sollten Sie daher steuerlich geltend machen, um nicht mehr Steuern als gefordert zu zahlen. Dabei spielt es für die Berücksichtigung in der Steuererklärung keine Rolle, wie viele Bewerbungen geschrieben wurden und wie erfolgreich diese waren.

Vergleichen lohnt sich: Wer Ausgaben bei der Bewerbung nachweisen kann, bekommt diese zumindest anteilig zurĂĽck.

Infografik: Diese und viele weitere Kosten kannst Du beim Finanzamt geltend machen. Quelle: Eigene Darstellung

Welche anfallenden Kosten bei einer Bewerbung gelten als Werbungskosten?

Situation Bewerbungsgespräch mit drei Teilnehmern

Bild: Auch Kurse und Seminare zum Thema Bewerbungen können als Werbungskosten abgesetzt werden, da sie zum Bewerbungsvorgang zählen. Bildquelle: iJeab – 690895561 / Shutterstock.com

Seminare zum Thema Bewerbungen, die Fahrten zum Vorstellungsgespräch und sogar die Briefmarke – alle anfallenden Kosten im Zusammenhang mit einer Bewerbung gelten als Werbungskosten. Daher solltest du alle Quittungen und Belege für die entstehenden Kosten aufbewahren, um sie der Steuererklärung beizulegen. Grundsätzlich können die Bewerbungskosten in vier Kategorien eingeteilt werden: Bewerbungsmaterialien, Reisekosten, Eigendarstellung, Hilfsmittel. Die folgende Tabelle führt die einzelnen Kategorien näher aus, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

BewerbungsmaterialienHilfsmittelEigendarstellungReisekosten
BewerbungsfotosAnteilig TelefonkostenStellenanzeigenFahrten zu Vorstellungsgesprächen
BewerbungsmappenAnteilig InternetkostenBewerbungsvideoĂśbernachtungskosten
KopienBĂĽcher/ RatgeberBewerbungswebsiteVerpflegung
KlarsichthĂĽllenZeitschriftenBewerbungsseminar
BriefmarkenMagazine
Briefumschläge
Druckerpatronen
Amtliche Beglaubigungen

Ob die aufgeführten Kosten auch tatsächlich als Werbungskosten akzeptiert werden, hängt aber auch vom zuständigen Beamten ab. Aufgrund der flächendeckenden Bereitstellung von Flatrates für Telefonie und Internet werden diese Kostenstellen bei den Werbungskosten immer häufiger abgelehnt. Je mehr Kostenfaktorendu jedoch abzusetzen versuchst, desto mehr Ausgaben können auch als Werbungskosten genehmigt werden – die entsprechenden Nachweise vorausgesetzt.

Das gilt auch für Zeitschriften und Magazine, die du kaufst, um die darin enthaltenen Stellenangebote für den Bewerbungsvorgang zu nutzen. Fachliteratur und Kurse, die auf die Stelle sowie auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten, sind ebenfalls absetzbare Bewerbungskosten. Wer lange nicht mehr in der Situation eines Bewerbungsgespräches war, nimmt solche Kurse respektive Seminare gerne in Anspruch, um sich optimal vorzubereiten.

Auch die Fahrten zu derartigen Vorbereitungskursen solltest du wie die Fahrten zum eigentlichen Bewerbungsgespräch behandeln und mit in die Kostenaufstellung aufnehmen. Werden die Fahrtkosten zum Bewerbungsgespräch jedoch vom Unternehmen übernommen, kannst du diese Kosten nicht als Werbungskosten absetzen.

Die Kosten für Bewerbungsfotos sind in der Regel problemlos absetzbar, wenn du mit einer Quittung nachweisen können, dass die Fotos von einem professionellen Fotografen gemacht wurden. Selbst erstellte Fotos sind hingegen schwierig abzusetzen. Ebenfalls wirst du auf Hürden stoßen, wenn du für die Bewerbungen neu erstandene Kleidung von der Steuer absetzen wollen. Dies wird in der Regel nicht genehmigt.

Das solltest du berĂĽcksichtigen

Dokumentenstapel auf Tisch im BĂĽro im Vordergrund, verschwommener Hintergrund mit zwei Personen an Schreibtischen

Bild: Wenn man eine große Zahl an qualitativ hochwertigen Bewerbungen erstellen muss, sollte man die Kosten dafür konkret nachweisen können. Bildquelle: Have a nice day Photo – 688998706 / Shutterstock.com

Es müssen einige Punkte berücksichtigt werden, um die Bewerbungskosten beim Finanzamt geltend machen zu können. Zunächst sieht das Finanzamt eine Pauschale für Werbungskosten in Höhe von 1.000 € vor. Diese Pauschale ist als Werbungskostenpauschbetrag und auch als Arbeitnehmerpauschbetrag bekannt. Demnach können konkrete Ausgaben erst geltend gemacht werden, wenn die anfallenden Werbungskosten die Höhe von 1.000 € übersteigen.

Da jedoch auch die Entfernungspauschale, im Volksmund als Pendlerpauschale bekannt, mit in die Werbungskosten einfließen, sind Werbungskosten in Höhe von 1.000 € schnell erreicht. Die Entfernungspauschale erlaubt es jedem Arbeitnehmer, aber auch Selbstständigen und Gewerbetreibenden für jeden Kilometer zur Arbeitsstätte 0,30 € abzusetzen. Bereits ab etwa 12 km übersteigt die Entfernungspauschale den Werbungskostenpauschbetrag von 1.000 €, natürlich abhängig von den Arbeitstagen im Jahr. Dabei ist es unerheblich, mit welchem Verkehrsmittel der Arbeitsweg bestritten wird. Es muss nicht das Auto sein, es können auch öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder benutzt werden. Auch der Fußweg ist absetzbar.

Daraus folgt, dass eine komplette Aufstellung der Werbungskosten für viele Steuerzahler Sinn ergibt. Zum Nachweis der Bewerbungskosten können Sie als Bewerber daher die Belege für alle Ausgaben sammeln und einreichen. Alternativ ist es auch möglich, die Bewerbungskosten pauschal geltend zu machen. Üblich sind in der Regel Kosten von 10,00 bis 15,00 € für jede schriftliche Bewerbung ohne Fahrt und Übernachtungskosten und etwa 2,50 € für jede elektronische Bewerbung. Diese Kosten können aber je nach Finanzamt variieren und müssen beim jeweiligen Finanzamt eingeholt werden.

Nachweise unbedingt aufbewahren

Fehlen Ihnen Nachweise in Form von Quittungen und Belegen, kann es sinnvoll sein, dem Finanzamt glaubhaft klar zu machen, dass Ihnen Kosten für die Bewerbungen entstanden sind. Das kann zum Beispiel in Form eines Einladungsschreibens des Unternehmens geschehen. Hierdurch wird ersichtlich, dass (vermutlich) ein Bewerbungsgespräch stattgefunden hat und an welchem Ort. Vor allem für die Reisekosten ist dies wichtig, wenn Ihnen das Zugticket oder Ähnliches verloren gegangen ist.

Und zu guter Letzt muss der Steuererklärung eine Liste mit allen Bewerbungen beifügt werden. Dieser muss zu entnehmen sein, wo Sie Sich wann beworben haben und wie die Antwort des Unternehmens ausfiel.

Diese Tipps sind vor allem für Arbeitnehmer interessant, die während ihres derzeitigen Arbeitsverhältnisses Bewerbungen an anderer Stelle durchführen. Jedoch kann es auch für Arbeitssuchende ohne respektive geringem Einkommen sinnvoll sein, eine Steuererklärung mit entsprechenden Werbungskosten abzugeben. Hier entsteht ein Verlust, der als vorab entstandene Werbungskosten bezeichnet wird und der später steuerlich geltend gemacht werden kann.

Beachte außerdem, dass diese Tipps lediglich unterstützen sollen, keinesfalls aber rechtlich verbindlich sind. Die Erstattung der Bewerbungskosten kann vom Finanzamt durchaus auch abgelehnt werden. Manche Situationen und komplizierte Fälle erfordern zudem eine andere Vorgehensweise. In diesem Fall solltest du dich unbedingt von einem Steuerberater oder durch einen Lohnsteuerhilfeverein unterstützen lassen.

Bildquellen:
Have a nice day Photo – 688998706 / Shutterstock.com,
iJeab – 690895561 / Shutterstock.com,
Petr Vaclavek – 691695994 / Shutterstock.com

Isabel Kulessa

Isabel Kulessa

Marketing Manager

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