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MINDESTLOHN - WAS BEDEUTET ER FÜR PRAKTIKANTEN UND STUDIERENDE?

Mindestlohn – was bedeutet er für Praktikanten und Studierende?

11. Dez 2018

Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn. Er soll die Grundsicherung der deutschen Bürger gewährleisten und gleichzeitig für eine bundesweit einheitliche Lohnuntergrenze sorgen.

Bildquelle: shutterstock_1109939141

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Durch diverse Tarifverträge war das bis Anfang 2018 allerdings noch nicht der Fall – obwohl bereits 2017 der Mindestlohn erneut angehoben wurde und eine weitere Erhöhung auf 9,19 Euro brutto pro Arbeitsstunde von der Mindestlohnkommission angestrebt wird. Nichtsdestotrotz gibt es Personengruppen, die auch weiterhin durch das Raster fallen, denn das Gesetz zieht klare Grenzen: Praktikanten und Studierende erhalten den Mindestlohn nur unter bestimmten Bedingungen. Welche sind das und was bedeuten sie?

 

Der Mindestlohn sorgt für Gleichberechtigung!?

Ein großes Problem in der Wirtschaft ist das Lohndumping. Unternehmen versuchen, ihre Gewinne zu maximieren, indem sie ihren Angestellten Niedriglöhne zahlen oder kurzfristig Beschäftigte aus dem Ausland hinzuziehen. Dies tun sie unter anderem deshalb, weil sie so die Preise ihrer Konkurrenz unterbieten konnten und dadurch die Zuschläge für ihre Aufträge erhielten. Was allerdings für Firmen ein enormer Vorteil ist, entwickelt sich langfristig zum Nachteil der Bevölkerung. Denn diese treibt dadurch auf die Altersarmut und zusätzliche Unterstützungen seitens des Staates zu. Mit der Einführung des Mindestlohns wollte die Bundesregierung diesem Vorgehen einen Riegel vorschieben. Denn er verhindert nicht nur die Lohnarmut, er sorgt gleichzeitig für einen fairen Wettbewerb. Zumindest in der Theorie. Denn wie bereits erwähnt, sieht es bei Studierenden und Praktikanten anders aus. Sie zählen zu den Personengruppen, die vom Mindestlohn ausgeschlossen sind.

 

Lohnuntergrenze nicht für jeden

Obwohl der Mindestlohn regelmäßig an die Lebenserhaltungskosten angepasst wird, erhält ihn nicht jeder. Das sind die Ausnahmen:

  1. Ehrenamtliche:
    Denn sie führen die Tätigkeit freiwillig und zusätzlich zu ihrer normalen Tätigkeit aus. Außerdem stellt ein Ehrenamt keine berufliche Arbeit dar. Sie können allerdings eine Aufwandsentschädigung bekommen.
  1. Auszubildende:
    Denn sie befinden sich in einem Ausbildungsverhältnis und zählen daher nicht als Arbeitnehmer. Allerdings plant die Große Koalition, dies bis 2020 zu ändern – die Höhe des angestrebten Mindestlohns ist bisher jedoch noch unbekannt.
  1. Langzeitarbeitslose:
    Sie haben innerhalb der ersten sechs Monate ihrer neuen Beschäftigung noch keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.
  1. Jugendliche unter 18:
    Da sie noch nicht volljährig sind. Diese Regelung bezieht sich in erster Linie auf junge Erwachsene, die noch keine abgeschlossene Berufsausbildung haben.
  1. Praktikanten:
    Sie sind ausgeschlossen, sofern das Praktikum einen Zeitraum von drei Monaten unterschreitet oder es im Rahmen einer Ausbildung absolviert wird.

Ausgeschlossen sind weiterhin Heimarbeiter, Selbstständige, Teilnehmer einer Maßnahme und Menschen mit Behinderungen, sofern sie sich in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis befinden.

Wie wird der Mindestlohn berechnet?

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Bildquelle: shutterstock_475312600

Da die Lebenserhaltungskosten stetig steigen, ist es nur folgerichtig, dass sich auch die vorgeschriebene Lohnuntergrenze erhöht. Verantwortlich dafür ist die sogenannte Mindestlohnkommission. Diese setzt sich alle zwei Jahre zusammen und errechnet anhand bestehender Tarifverträge, um wie viel Prozent sich das Gehalt der Menschen erhöhen soll. Zuletzt tagte die Kommission im Juni 2018.Das Ergebnis ist ein Anstieg auf 9,19 Euro brutto pro Arbeitsstunde im Jahr 2019, ein weiterer 2020 auf 9,35 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

Um ausreichend Objektivität zu wahren, setzt sich das Gremium aus folgenden Berufsgruppen zusammen:

  • Gewerkschaftsvertretern
  • Arbeitgebervertreter
  • Wissenschaftliche Mitglieder

Hinzu kommt der Vorsitz, den aktuell Jan Zilius innehat. Eine Neubesetzung erfolgt alle fünf Jahre.

Schüler- und Pflichtpraktika sind Sonderfälle

Viele Studierende absolvieren Praktika im Laufe ihres Studiums. Im Idealfall sollte dieses im direkten Zusammenhang mit dem gewählten Studiengang stehen und somit einen praktischen Einblick in die Berufswelt ermöglichen. Viele Geisteswissenschaftler sind zum Beispiel im kulturellen Bereich tätig, angehende Kommunikationswissenschaftler schnuppern in eine Medienagentur rein und künftige Betriebswirte besuchen Kanzleien von Steuerberatern, wo sie die Vorteile und den Umgang von Rechnungsprogrammen kennenlernen. Doch viele Pflicht- und Schülerpraktika stehen ihnen nur unentgeltlich zur Verfügung. Das liegt unter anderem daran, dass in folgenden Fällen das Mindestlohngesetz nicht greift:

  • Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums
  • Orientierung vor dem Studium
  • Begleitend zu einer Hochschulausbildung

Denn sie finden im Rahmen einer Ausbildung statt. Somit zählen weder Schüler (da noch nicht volljährig) noch Studierende als Arbeitnehmer. Sie haben daher kein Anrecht auf den gesetzlichen Mindestlohn.

Ausnahmen von den Ausnahmen

Infografik: Nicht alle Praktikanten erhalten den Mindestlohn

Bildquelle: statista.com

Sobald der Zeitraum des Praktikums die Grenze von drei Monaten überschreitet, können sowohl ein Orientierungs- als auch ein studienbegleitendes Praktikum mit dem Mindestlohn vergütet werden. Aber wirklich erst ab dem ersten Arbeitstag im vierten Monat. Gerade die Regelungen in Bezug auf Praktika können für viele Studierende sehr verwirrend und unübersichtlich sein. Ein Blick in diese Broschüre des Bundesamts für Arbeit und Soziales kann sich daher wirklich lohnen. Darin finden Interessierte viele Informationen, Hilfestellungen und Telefonnummern, die ihnen dabei helfen, sich mit den Sonderregeln intensiv auseinanderzusetzen.

Diese Regelung birgt Probleme

Denn natürlich wissen Unternehmer über diese Lücke Bescheid. Nicht selten kommt es vor, dass Praktikanten nicht über die drei Monate hinaus beschäftigt werden. Es besteht daher immer die Gefahr, dass Firmen diesen Umstand ausnutzen und Studierende als billige Arbeitskräfte missbrauchen. Gleichzeitig wird es gerade für kleine und mittelständische Unternehmen schwierig, Praktikanten über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen. Bereits bei der Einführung des Mindestlohns wurde darauf hingewiesen, dass sich nicht jede Firma die Lohnuntergrenze leisten könne. Dies macht es umso schwieriger für kleine Betriebe, Praktikanten zu finanzieren. Es ist möglich, dass sich dadurch das Angebot verkleinert.

Neben dem Studium arbeiten

Viele Studierende gehen parallel zu ihrem Hochschulstudium einer beruflichen Tätigkeit nach. Dies kann ein Mini-Job aber auch eine Werkstudententätigkeit sein. Sie tun das, um praktische Erfahrungen zu sammeln oder ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Da die meisten Studierenden über 18 Jahre alt sind, wird ihre Arbeit mit dem Mindestlohn vergütet. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber, dass sie nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, um weiterhin den Status des Vollzeit-Studierenden zu behalten. Abgesehen davon sind Studierende, die nebenbei einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, Arbeitnehmer und Firmen somit dazu verpflichtet, ihnen den Mindestlohn zu zahlen.

Was müssen Unternehmen beachten?

Spätestens dann, wenn Firmen ihren Praktikanten bezahlen müssen, gilt es einige Vorschriften einzuhalten:

  • Der Betrieb ist dazu verpflichtet, die Art des Praktikums nachzuweisen.
  • Sie müssen Lern- und Ausbildungsziele vertraglich festlegen.
  • Die tägliche Arbeitszeit sowie der Zeitraum des Praktikums sind klar zu definieren.
  • Die Höhe der Vergütung muss dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechen und schriftlich kommuniziert werden.

Es ist enorm wichtig, dass Praktikanten eine Zeiterfassung führen und sowohl Arbeitsbeginn als auch –ende sowie die Pausen aufzeichnen. Nur so sind beide Parteien auf der sicheren Seite. Für Unternehmen entsteht bei der Lohnabrechnung kein weiterer Mehraufwand. Praktikanten mit einem Anspruch auf den Mindestlohn werden genauso wie ein normaler Angestellter abgerechnet. Sofern aber Unsicherheiten diesbezüglich bestehen, lohnt es sich, einen fachkundigen Steuerberater zu suchen und sich ausführlich beraten zu lassen.

Der Mindestlohn macht es nicht unbedingt einfacher

Zumindest nicht für Schüler und Studierende, die ein Praktikum absolvieren möchten. Aber die gesetzlichen Vorschriften dienen auch gleichzeitig als ihr Schutz. Denn dadurch will die Bundesregierung verhindern, dass Praktikanten über einen längeren Zeitraum unentgeltlich die Arbeit einer ausgebildeten Fachkraft übernehmen. Weiterhin hätten wohl viele kleine und mittelständische Unternehmen Schwierigkeiten, Praktikanten zu beschäftigen, wenn sie von vornherein den Mindestlohn zahlen müssten. Nichtsdestotrotz ist die Einführung einer Lohnuntergrenze wichtig, um Ausbeutung und Lohndumping zu verhindern.

Isabel Kulessa

Isabel Kulessa

Marketing Manager

Autor dieses Artikels!

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